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Arno Beck | Pain­ting in the digi­tal age
Arno Beck’s works have evol­ved from the con­tem­pla­ti­on on con­tem­pora­ry digi­tal cul­tu­re whilst kee­ping the tra­di­ti­on of pain­ting in mind. His approach of expe­ri­men­tal print­ma­king and con­cep­tu­al pain­ting is an inter­play bet­ween the vir­tu­al com­pu­ter world and tra­di­tio­nal, artis­tic tech­ni­ques. The motifs are based on his inte­rest for ear­ly low reso­lu­ti­on com­pu­ter gra­phics, games and inter­faces. Focu­sing on the ana­log pro­duc­tion of com­pu­ter gene­ra­ted image­ry, he trans­forms tho­se digi­tal images into the pic­to­ri­al space expres­sing the urge of cap­tu­ring digi­tal aes­the­tics with pain­ter­ly means.

Bina­ry Expres­sio­nism
Based on the con­fron­ta­ti­on with ear­ly gra­phic and ima­ging pro­grams Beck has deve­lo­ped a for­mal lan­guage which he uses to struc­tu­re his pic­to­ri­al space. Pixel Clu­sters arran­ged in par­ti­cu­lar ways, imi­ta­te duct and mate­ria­li­ty of dif­fe­rent pain­ting methods, like pen drawings or blur­ry spray paint. His voca­bu­la­ry of pain­ting con­sists of geo­me­tric shapes, pixela­ted lines and bina­ry, yet pain­ter­ly ges­tu­res which fea­ture a ran­ge of visu­al tex­tures. The mate­ria­li­za­ti­on of digi­tal image­ry and the trans­for­ma­ti­on of tho­se screen based impres­si­ons into phy­si­cal hap­tic exi­stence, is one of the cen­tral aspects in Beck’s Oeu­vre – Sur­face struc­tu­re plays a key role in his works. Trans­fer­red from the com­pu­ter screen the color its­elf beco­mes a phy­si­cal­ly expe­ri­en­ce­able mat­ter which mate­ria­li­zes on the can­vas and in some pain­tings casts a drop shadow, crea­ting a lay­er that pre­ten­ds to be floa­ting over the pic­to­ri­al sur­face. Beck inte­gra­tes this thin­king in lay­ers, as cul­ti­va­ted by working with gra­phic pro­grams, into the act of pain­ting. Gra­phi­cal con­trol ele­ments like over­lap­ping win­dows and mou­se cur­sors, shift the level of depic­tion to a meta­le­vel. The appearan­ce of tho­se ele­ments takes the view­er a step back from the pain­ting its­elf, loo­king at a users inter­face ins­te­ad – A pic­tu­re wit­hin a pic­tu­re. To empha­si­ze this rela­ti­on from pain­ting to image pro­ces­sing, Beck often uses the grey / white checked pat­tern as a back­ground in his pain­tings. In ima­ging pro­grams this sur­face is the digi­tal equi­va­lent to a white can­vas in the phy­si­cal space, ser­ving as a star­ting point for new works.

Off the grid
Arno Beck’s approach of print­ma­king has evol­ved from a clas­si­cal pain­ting posi­ti­on, which has deve­lo­ped into a new, con­cep­tu­al per­cep­ti­on of post-digi­tal pain­ting. He uti­li­zes wood­prin­ting as a means of pro­du­cing pain­tings in a wider sen­se. The pro­ce­du­re of prin­ting is not uti­li­zed for repro­duc­tion, as he does not print in edi­ti­ons. The­re­fo­re, all works are ori­gi­nals in the sen­se of a clas­sic pain­ting.  For print­ma­king he uses 32 dif­fe­rent colors, which stem from the Game­boy Color game con­so­le released in 1998.  Due to the leng­thy manu­fac­tu­ring pro­cess, the dece­le­ra­ti­on its­elf beco­mes a main aspect in times of con­stant infor­ma­ti­on over­load. His prints com­bi­ne the spe­ci­fic aes­the­tic of wood­print with digi­tal sub­ject­mat­ter – par­ti­cu­lar­ly the orga­nic mate­ria­li­ty and hap­tic of wood in con­trast to the clean per­fec­tion of the digi­tal.
The ana­log pro­duc­tion pro­cess huma­ni­zes tech­no­lo­gy and the­re­fo­re enli­vens the screen­world – the error is part of the beau­ty.

Text­mo­de
Ano­t­her artis­tic approach, fol­lo­wing the same thought pro­cess and moti­va­ti­on, is a series of typewri­ter drawings. This body of work is roo­ted in the same search for an ana­log trans­la­ti­on of digi­tal image­ry. In this series, the drawings are achie­ved by typing on an old-fashio­ned manu­al typewri­ter. Beck types the­se moti­ves line by line on Japa­ne­se paper, using dif­fe­rent let­ters and sym­bols, that crea­te a varie­ty of dif­fe­rent bright­ness values. On clo­ser inspec­tion, tho­se works remind of bina­ry codes, empha­si­zing the con­nec­tion to the image­ry from the digi­tal world. He depicts land­s­capes on an almost pho­to­gra­phic level and inclu­des ele­ments from low reso­lu­ti­on com­pu­ter games. By com­bi­ning tho­se lay­ers he mana­ges to fuse two com­ple­te­ly dif­fe­rent dis­play modes into a seam­less uni­ty.

Syn­tax error
Arno Beck ver­bin­det in sei­nen neu­en Arbei­ten Dar­stel­lungs­kon­zep­te ana­lo­ger Repro­duk­ti­ons­tech­ni­ken mit der Ästhe­tik digi­ta­ler Bil­der­zeu­gungs­ver­fah­ren. Zunächst wird die Vor­la­ge, die am Rech­ner erstellt wird, in eine stark ver­ein­fach­te Raster­gra­fik umge­wan­delt, wobei die 32/er Farb­pa­let­te des Game­boy Color als Ori­en­tie­rungs­sy­stem dient. Auf
den Digi­ta­li­sie­rungs­pro­zess, des­sen Sinn und Zweck es ist, das Bild für die druck­tech­ni­schen Gege­ben­hei­ten der Ver­viel­fäl­ti­gungs­ma­schi­nen bzw. die Vor­aus­set­zun­gen der digi­ta­len Über­tra­gung vor­zu­be­rei­ten, folgt jedoch wie­der eine ana­lo­ge Arbeits­pha­se. Die ein­zel­nen Bild­qua­dra­te wer­den von Hand in tau­sen­de gleich gro­ße Holz­stücke zurecht gesägt, die mit einer Druck­wal­ze ein­ge­färbt und zu einem Pixel­mo­sa­ik zusam­men­ge­fügt wer­den. Anschlie­ßend erfolgt ein ein­zel­ner Abdruck auf Japan­pa­pier, wobei auf eine Ver­viel­fäl­ti­gung des Motivs bewusst ver­zich­tet wird. Jeder Druck ist ein Uni­kat. Der Künst­ler greift in den Ablauf eines auf Auto­ma­ti­sie­rung hin aus­ge­rich­te­ten Repro­duk­ti­ons­pro­zes­ses ein und stellt die Spiel­re­geln auf den Kopf. Sobald das Bild für eine maschi­nel­le Wei­ter­ver­ar­bei­tung vor­be­rei­tet ist, erfolgt eine über­ra­schen­de Wen­dung. Es setzt eine Pha­se der mühe­vol­len Hand­ar­beit ein und das Ergeb­nis eines auf seri­el­le Ver­viel­fäl­ti­gung ange­leg­ten Arbeits­pro­zes­ses wird zum Ori­gi­nal. Hand­ar­beit und Digi­ta­li­sie­rung durch­drin­gen sich auf eine unvor­her­ge­se­he­ne Art und Wei­se: die Hand scheint sich gera­de an dem Punkt ein­mi­schen zu wol­len, wo die Maschi­ne ihren Kom­pe­tenz­be­reich für sich bean­sprucht. Die so ent­stan­de­nen Mosa­ik­drucke kon­fron­tie­ren eine Raster­äs­the­tik der digi­ta­len Per­fek­ti­on mit den unge­len­ken Ver­schie­bun­gen und Über­la­ge­run­gen einer ana­lo­gen Umset­zung. Es ent­steht ein Span­nungs­ge­fü­ge zwi­schen geplan­ter Ord­nung und will­kom­me­nen Aus­brü­chen aus einem sta­ti­schen System, die einen leben­di­gen Farb­raum erzeu­gen. Der Zufall ergänzt und erwei­tert das System. Man fühlt sich hier­bei sogleich an die Unre­gel­mä­ßig­kei­ten und Farb­ab­wei­chun­gen in den Sieb­drucken War­hols erin­nert. Die Hand hin­ter­lässt auch in der Imi­ta­ti­on eines maschi­nel­len Pro­zes­ses ihre eige­nen Spu­ren.
Wal­ter Ben­ja­min beklag­te bereits in den 30er Jah­ren des 20. Jahr­hun­derts in sei­nem viel zitier­ten Auf­satz „Das Kunst­werk im Zeit­al­ter der Repro­duk­ti­on“ den Ver­fall der Aura des Kunst­wer­kes vor dem Hin­ter­grund sei­ner mas­sen­haf­ten Ver­brei­tung durch Ver­viel­fäl­ti­gun­gen. Ben­ja­min defi­niert die das Kunst­werk umge­ben­de Aura als Zeug­nis einer Ein­ma­lig­keit und einer in sich getra­ge­nen Histo­ri­zi­tät, die durch jeg­li­che Form der Repro­duk­ti­on unter­gra­ben wird. Arno Becks Ver­fah­ren könn­te man als den humor­vol­len Ver­such einer „Re“-auratisierung des Kunst­werks in Zei­ten der Bild­in­fla­ti­on bezeich­nen. Der qua­dra­ti­sche Farb­pi­xel als Sym­bol der iko­no­gra­fi­schen Indu­stria­li­sie­rung wird müh­sam von Hand zurecht­ge­schnit­ten und mit Far­be ver­se­hen, um in einem auf­wen­di­gen Holz­druck­ver­fah­ren ein Uni­kat zu erzeu­gen, was dem Grund­prin­zip der Druck­tech­nik völ­lig wider­spricht.
Zusam­men mit den Holz­drucken ent­steht eine Serie an Schreib­ma­schi­nen­gra­fi­ken in einer ähn­li­chen Moti­vik. Nach­dem ein Schreib­ma­schi­nen­blatt durch ein Raster aus „+“-Zei­chen vor­struk­tu­riert wur­de, beginnt die Umset­zung des Motivs durch die Ver­wen­dung von sechs ver­schie­de­nen Buch­sta­ben und Zei­chen, die einen jeweils eige­nen Hel­lig­keits­wert erzeu­gen, der jedoch, ähn­lich wie beim Kla­vier, durch die Här­te des Anschlags vari­iert wer­den kann. Die Buch­sta­ben­par­ti­tu­ren wer­den als Edi­ti­on von jeweils zehn Exem­pla­ren umge­setzt, wobei jedes ein­zel­ne Blatt von Hand neu ein­ge­tippt und somit auch zu einem Uni­kat wird. Wie bei den Holz­drucken ver­sucht der Künst­ler sich bei der Umset­zung des Motivs bewusst Stei­ne in den Weg zu legen, indem er ein aus­ran­gier­tes Relikt der Text­ge­stal­tung zur Dar­stel­lung einer Gra­fik ver­wen­det. Doch auch hier ent­steht ein Ergeb­nis, mit einer völ­lig eige­nen Ästhe­tik in einem Span­nungs­feld zwi­schen sub­jek­ti­vem Aus­druck und vor­struk­tu­rier­ter Ord­nung.
Arno Beck bestrei­tet in bei­den Seri­en einen außer­ge­wöhn­li­chen Weg. In einer Zeit der infla­tio­nä­ren Erzeu­gung und Ver­brei­tung von digi­ta­len Bil­dern stellt er das Prin­zip der Repro­duk­ti­on auf den Kopf und Infra­ge.

Fal­ko Alex­an­der