Gretchen Andrew

Everything I need to be beautiful — Affirmation Ads

Ever­ything I need to be beau­ti­ful
Ope­ning: Fr 6. Mai, 18:00
Exhi­bi­ti­on: 6. Mai – 11. Juni
Finis­sa­ge: Sa 11. Juni, 18:00

I alrea­dy have ever­ything I need to be beau­ti­ful — Affir­ma­ti­on Ads
Die ame­ri­ka­ni­sche Künst­le­rin Gret­chen Andrew (*1988 Los Ange­les) wur­de von 2012–2017 in Lon­don von dem Künst­ler und Musi­ker Bil­ly Chil­dish aus­ge­bil­det. 2018 ver­öf­fent­lich­te das Vic­to­ria and Albert Muse­um in Lon­don ihr Buch „Search Engi­ne Art“. Ihre Arbei­ten wur­den kürz­lich in Fast Com­pa­ny, Flash Art, The Washing­ton Post, For­tu­ne Maga­zi­ne, Mono­pol, Wirt­schafts­wo­che, The Los Ange­les Times und The Finan­cial Times bespro­chen. Bekannt gewor­den ist die Künst­le­rin für ihre spie­le­ri­schen Hacks wich­ti­ger Insti­tu­tio­nen der Kunst­welt und der Poli­tik, dar­un­ter „Frie­ze“, „Whit­ney Bien­na­le“, „Art­fo­rum“, „Tur­ner Preis“ und „The Next Ame­ri­can Pre­si­dent“. In die­sen digi­ta­len Per­for­man­ces arbei­tet sie an der Schnitt­stel­le zwi­schen Kunst und Hacking. In ihren „Visi­on Boards“ fer­tigt sie Assem­bla­gen an, die ihre erfolg­rei­che Zukunft inner­halb der Kunst­welt dar­stel­len bzw. vor­weg­neh­men. Die­se ver­knüpft sie mit geziel­ter Such­ma­schi­nen-Opti­mie­rung von Schlüs­sel­wör­tern, was zur Fol­ge hat, dass sie in bestimm­ten Such­kon­tex­ten, die obe­ren Posi­tio­nen domi­niert. Wenn man die Begrif­fe „Cover of Art Forum“ oder „The next Ame­ri­can Pre­si­dent“ bei Goog­le ein­gibt, stößt man in den ersten Ergeb­nis­sen auf Arbei­ten der Künstlerin.

Affir­ma­ti­on Ads
Ein fahr­läs­si­ger Click auf eine Online-Wer­be­an­zei­ge führt in der Regel zu der uner­wünsch­ten Neben­wir­kun­gen, dass man von dem anvi­sier­ten Pro­dukt bis in die letz­ten Win­kel des Inter­net ver­folgt wird. Die Algo­rith­men ver­mu­ten ein Kauf­in­ter­es­se und platz­ie­ren Wer­be­bot­schaf­ten, die einen mit Hil­fe aus­ge­klü­gel­ter Wei­ter­lei­tungs-Syste­me soge­nann­ten Fun­nels bis zum Kauf­ab­schluss beglei­ten sol­len. Ermög­licht wird dies durch den soge­nann­ten Face­book-Pixel, einem Tracking-Code, der in Wer­be­an­zei­gen instal­liert wird und das Ver­hal­ten des Nut­zers bis ins Detail ana­ly­siert. In ihrem neu­en Werk­zy­klus „Affir­ma­ti­on Ads“ mani­pu­liert die Künst­le­rin die­se wer­be­ba­sier­te Infra­struk­tur mit einem eige­nen Inter­net-Shop und schleust Bot­schaf­ten, die auf Ihren Bil­dern platz­iert sind, in die E‑Com­mer­ce-Matrix ein. Wenn man sich dazu ent­schließt auf eine von Gret­chens „Affir­ma­ti­on Ads“ zu klicken, schnappt die Fal­le zu. Die Algo­rith­men erken­nen ein poten­zi­el­les Ziel, schal­ten in den Ver­fol­gungs-Modus und platz­ie­ren von nun an die Wer­ke der Künst­le­rin im per­so­na­li­sier­ten Inter­net. Der Unter­schied besteht aller­dings dar­in, dass sie den poten­zi­el­len Kun­den nicht zu einem Kauf über­re­den möch­te, son­dern ihn im Gegen­teil davon zu über­zeu­gen ver­sucht, dass er bereits alles hat, was man braucht, um glück­lich zu sein. „I alrea­dy have ever­ything I need to be beau­ti­ful“ lau­tet die Bot­schaft, die auf ihren Bil­dern steht. 

Das Inter­net hat sich  in den letz­ten 10 Jah­ren der­art ent­wickelt, dass es fast unmög­lich gewor­den ist, sich dem Sog der Daten sam­meln­den Appli­ka­tio­nen, die im Hin­ter­grund aller Web­sei­ten lau­fen, zu ent­zie­hen. Die Offen­le­gung der Daten­schutz­er­klä­run­gen und die damit ver­bun­de­nen Ein­wil­li­gung, die vor dem Besuch von Inter­net­sei­ten ange­klickt wer­den müs­sen, sind ledig­lich ein juri­sti­scher Pro-for­ma-Akt. Dar­über hin­aus gera­ten die Social-Media-Kon­zer­ne — in erster Linie Insta­gram und Face­book immer stär­ker in die Kri­tik. 2021 wur­de ein inter­nes Doku­ment von Face­book ver­öf­fent­licht, aus dem her­vor­ging, dass sich die Unter­neh­men der schäd­li­chen Aus­wir­kun­gen ihrer Platt­for­men durch­aus bewusst sind. Unter­su­chun­gen des Wall­street Jour­nal, der New York Times und zahl­rei­che aka­de­mi­sche Stu­di­en konn­ten nach­wei­sen, dass der exzes­si­ve Kon­sum sozia­ler Medi­en vor allem auf Jugend­li­che deut­lich nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen hat. Gret­chen Andrews Affir­ma­ti­on Ads sind eine Reak­ti­on auf die­se Ent­wick­lun­gen und kön­nen als spie­le­ri­sche Form der Selbst­er­mäch­ti­gung inner­halb der Online-Sphä­re gele­sen wer­den. Der Nut­zer kann aus frei­en Stücken ent­schei­den, mit wel­chen Bot­schaf­ten er für die näch­ste Zeit kon­fron­tiert wer­den möch­te und somit den eige­nen Social-Media-Space selbst gestalten.

Mit Ever­ything I Need to be Beau­ti­ful stellt Gret­chen ihren zwei­ten gro­ßen Werk­zy­klus vor.  Wäh­rend sie sich mit ihren „Visi­on Boards“ auf die unkon­trol­lier­te Macht von Big Tech durch Goog­le beschäf­tig­te, wen­det sie sich nun gegen die wer­be­ba­sier­ten Struk­tu­ren von Face­book und Insta­gram und strebt eine Rück­erobe­rung des digi­ta­len Rau­mes an. Der Grund­stein des Kon­zept sind real exi­stie­ren­de Arbei­ten in Öl auf Lein­wand, die in der Gale­rie aus­ge­stellt wer­den. Die Künst­le­rin erwei­tert das für sie cha­rak­te­ri­sti­sche Reper­toire an Pla­stik-Blu­men, auf­ge­kleb­ten Stof­fen und Edel­stei­ne, in Rich­tung einer figu­ra­tiv male­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zung mit den Sujets, die auf tat­säch­lich exi­stie­ren­den Wer­be­an­zei­gen beru­hen, und greift somit auf die Anfangs­zeit ihrer künst­le­ri­schen Tätig­keit bei Bil­ly Chil­dish zurück. In jedem der Ölge­mäl­de fin­det sich eine Art Sprech- oder Pro­dukt­bla­se, in der der Titel der Aus­stel­lung I have alrea­dy ever­ything I need to be beau­ti­ful imprä­gniert ist. Sie reiht sich mit die­ser Serie in die Tra­di­ti­on refe­ren­zi­el­ler Kunst ein, die mit Duch­amps „Rea­dy Mades“ begann und in der Pop Art ihren vor­läu­fi­gen Höhe­punkt erreich­te. Das Refe­renz-Bild und die damit eng ver­bun­de­ne Stra­te­gie der Aneig­nung, hat sich jedoch — vor allem durch die Meme-Kul­tur — längst über den Bereich der künst­le­ri­schen Pra­xis hin­aus als Form der Kom­men­tie­rung von All­tags­ge­sche­hen sowie poli­ti­scher Strö­mun­gen eta­bliert. Jede Form der bild­ne­ri­schen Aneig­nung muss immer auch vor dem Hin­ter­grund eines Macht-Dis­kur­ses gele­sen wer­den. Die Künst­le­rin beschränkt sich jedoch nicht dar­auf, die Ästhe­tik der Online- Wer­bung in die Sphä­re der Kunst zu zie­hen und die­se somit auf­zu­wer­ten bzw. ihr eine gewis­se Art Credi­bil­ty, gar­niert mit etwas Kapi­ta­lis­mus­kri­tik zu ver­lei­hen. Viel­mehr kapert und mani­pu­liert sie mit dem ent­spre­chen­den tech­ni­sche Know-how eine der ver­mut­lich mäch­tig­sten und umsatz­stärk­sten Infra­struk­tu­ren der heu­ti­gen Zeit, um deren Funk­ti­ons­wei­se ins Gegen­teil zu ver­keh­ren. 

Wäh­rend eine unbe­grenz­te Anzahl an Nut­zern die Kunst­wer­ke in ihrem Insta­gram-Feed instal­lie­ren kön­nen, wer­den 2022 fünf­zehn in Öl auf Lein­wand rea­li­sier­te Ads gezeigt wer­den  - die ersten sie­ben in der Aus­stel­lung Ever­ything I need to be beau­ti­ful, die am 6. Mai in der Gale­rie Fal­ko Alex­an­der in Köln eröff­net wird. Dar­über hin­aus wer­den auch 2 NFTs zum glei­chen Kon­text entstehen.

Lives and works in Los Ange­les * 1988

Aus­bil­dung / Edu­ca­ti­on
2010 B.S. in Infor­ma­ti­on Systems (Honors), Bos­ton Col­le­ge, Chest­nut Hill, MA,
2006 — 2009: Intuit, Soft­ware 2010 — 2012 Engi­neer, Goog­le, Peop­le Tech­no­lo­gy Mana­ger
2013 — 2017: Bil­ly Chil­dish Stu­dio Apprenticeship

SELECTED SOLO EXHIBITIONS
2021   Other Forms of Tra­vel, Ann­ka Kul­tys Gal­le­ry (repre­sen­ted), Lon­don, United King­dom
2021   Trust Bounda­ry, Fran­cis­co Caro­li­num, Linz, Austria
2021   Rou­ter at Pan­ke Gal­le­ry, Ber­lin
2020   Future News, Mon­te­rey Muse­um of Art, Mon­te­rey, CA
2019   Not Not Not the Tur­ner pri­ze, Chel­sea Cook­hou­se, Lon­don, United King­dom
2019   Whit­ney Bien­ni­al 2019…Vision Board, LACDA, Los Ange­les, CA
2018   Rough­ly Trans­la­ted As: Ubun­tu, A4 Gal­le­ry, Cape Town, South Afri­ca
2017   Inter­net Impe­ria­lism, 18th Street Art Cen­ter, San­ta Moni­ca, CA
2017   How to How to How to draw, http://linkcabinet.eu
2016   Inte­rior, Whit­cher Pro­jects, Ingle­wood, CA
2016   How to How to How to, Are­byte Gal­le­ry, Lon­don, United King­dom
2015   Vir­tu­al Rea­li­ty, De Re Gal­le­ry, Los Ange­les, CA
2015   Pig­ment As Pixel, Hoxt­on Gal­le­ry, Lon­don, United King­dom
2014   Pain­ting As Inter­face, The White Buil­ding, Lon­don United Kingdom

SELECTED GROUP EXHIBITIONS
2021   Pain­ting in the Digi­tal Age, König Gale­rie Ber­lin
2021   Screen­walk, The Photographer’s Gal­le­ry & Foto­mu­se­um Win­ter­thur
2021   No Fear in Try­ing, Unit Gal­le­ry, Lon­don
2020   Real-Time Cons­traints, Are­byte, Lon­don, United King­dom
2019   Art & AI, Swiss Re Cent­re for Glo­bal Dia­lo­gue, Rüsch­li­kon, Switz­er­land
2018   Search Engi­ne Art, V&A Muse­um, Lon­don, United King­dom (book)
2018   Moz­fest Open Web, Mozil­la Foun­da­ti­on, Lon­don, United King­dom
2014.  Digi­tal Futures, V&A Muse­um, Lon­don, United Kingdom

RESIDENCIES
2021   Salz­amt, Linz Austria
2021   A4 Arts Foun­da­ti­on, Cape Town, SA
2021   Natio­nal Gal­le­ry X, Lon­don, UK
2021   Screen­Walk, The Photographer’s Gal­le­ry Lon­don with Foto­mu­se­um Win­ter­thur
2020   Gazel­li Art Hou­se Gazell.io, Lon­don, UK
2019   IsT­hi­sIt, Lon­don, UK
2018   18th Street Arts Cen­ter, San­ta Moni­ca, CA
2016   Whit­cher Pro­jects, Ingle­wood, CA
2016   Are­byte, Lon­don, UK
2014   The White Buil­ding, Lon­don, UK

PRESSE
L.A Wee­kly
FAD Maga­zin
Gallerytalk.Net
The Arts Gor­ge­ous
ARTLAND
Vice
The Art News­pa­per
CNN
Wirt­schafts­wo­che
Mono­pol
Washing­ton Post
The Cali­for­ni­an
Muse­um Week Maga­zin
Dazed 
Los Ange­les Times
Hyper­all­er­gic
Los Ange­les Maga­zi­ne
Art­net News
Finan­cial Times

TEACHING & LECTURES

2021  
Uni­ver­si­ty of Chi­ca­go
Bos­ton Col­le­ge
Wil­lem de Koo­ning Aca­de­mie,
Mozil­la Festi­val
Ars Elec­tro­ni­ca
The Bri­tish Com­pu­ter Socie­ty at EVA Lon­don
Fal­mouth Uni­ver­si­ty
OK Cen­ter for Con­tem­pora­ry Art Austria

2019  
Femi­nism & Arti­fi­cial Intel­li­gence Mozil­la Foun­da­ti­on Festi­val
Lon­don
United King­dom Pain­ting and New Media
Uni­ver­si­ty of East Lon­don, Lon­don United King­dom
Search Engi­ne Art
Hennes­sy & Ing­alls, Los Ange­les, Lec­tu­re to new MA stu­dents
Chel­sea Col­le­ge of Arts, Lon­don UK
Digi­tal Now, Mar­ga­te, UK

2018         
Wiki­ma­nia, Cape Town, South Afri­ca
Lux Gal­le­ry, Lon­don, United King­dom
The Bri­tish Com­pu­ter Socie­ty, Lon­don, United Kingdom

2017        
Art and AI, Emma­nu­el Col­le­ge at Cam­bridge Uni­ver­si­ty, Cam­bridge, United King­dom
The Photographer’s Gal­le­ry, Lon­don, United King­dom
Vivid Pro­jects, Bir­ming­ham, United Kingdom

2016        
Moving Image New Media, The Lon­don Film School, Lon­don, United King­dom
The Inter­na­tio­nal Con­fe­rence on the GIF, Uni­ver­si­ty of Bolo­gna, Italy

2014        
Digi­tal Uto­pi­as, The Bri­tish Arts Coun­cil, Hull, United King­dom
The Bri­tish Com­pu­ter Socie­ty, Lon­don, United King­dom
New Media, Uni­ver­si­ty of the Arts Lon­don, Lon­don United Kingdom

2013        
The Bri­tish Film Insti­tu­te, Lon­don, United Kingdom

> Take me to the Shop

It works like this:

1. Online or at Fal­ko Alex­an­der Gal­le­ry in Colo­gne, select the Affir­ma­ti­on Ad art­work you prefer

2. Gret­chen has redi­rec­ted the tracking tech­no­lo­gy to ensu­re this Affir­ma­ti­on Ad art­work fol­lows you around your social feeds and wit­hin Facebook’s adver­ti­sing network

3. Ins­tead of see­ing a stan­dard adver­ti­se­ment desi­gned to make you feel like you need more, you see the art­work that you select 

4. You have taken ownership over your digi­tal space 

5. The adver­ti­sing space, nor­mal­ly deploy­ed to prey on our inse­cu­ri­ties ins­tead reminds you that you are alrea­dy enough, beau­ti­ful, complete.